Aktuelle Premiere: Emilia Marty – „Die Sache Makropulos“ von Leoš Janáček

Aktuelle Premiere: Emilia Marty – „Die Sache Makropulos“ von Leoš Janáček

Aktuelle Premiere vom 25. Januar 2020
Anhaltisches Theater Dessau

Kritiken:

»Was natürlich auch nur mit einem exquisiten Ensemble, wie in Dessau gelingt. Kammersängerin Jordanka Derilova wieder einmal an erster Stelle, diese Frau hat in den letzten Jahren alle grossen Partien ihres Faches gesungen, von den Brünnhilden über die italienischen Partien bei Verdi und Puccini. Stimmlich auf der Höhe bis auf die beanspruchenden Bögen im Finale, von großer Bühnenpräsenz, erfüllt sie die komplexe Partie der Emilia Marty schon bei ihrem Rollendebut bis ins letzte Quäntchen, vielleicht die beste Interpretin dieser Partie, die ich bis jetzt erleben durfte.
(deropernfreund.de von Martin Freitag)

»In Dessau wird die „Sache Makropulos“ zu einer Sache Iordanka Derilova.  (…)Zur charismatischen Erscheinung kommt eine durchschlagende Eloquenz und die traumwandlerische Sicherheit bei der Dosierung ihrer souverän beherrschten Stimme. Aber auch sonst verblüfft das vokale Niveau dieser Produktion.  Ob Ulf Paulsen (Prus), Tilman Unger (Albert Gregor) oder Cornelia Marschall (Krista) – hier schwächelt niemand. Hier werfen sich alle mit Vehemenz in ihre Rollen und ergänzen die Glanzleistung der Titelheldin zu einem funkelnden vokalen Diadem. (Mitteldeutsche Zeitung, von Joachim Lange)


»Anhaltisches Theater Dessau überzeugt mit tschechischer Oper […] Die Unsterblichkeit macht aus der blutjungen Elina im Laufe der Zeit die eiskalt-berechnende Zynikerin Emilia. Sie ist völlig unempathisch, ihre Mitmenschen sind ihr egal. Ihr, der kapriziösen Diva, hat sich alles und jeder unterzuordnen. Kammersängerin Iordanka Derilova singt und spielt das souverän, großer Schlussmonolog inklusive. Zudem ist sie eine sehr attraktive Erscheinung und wird am Ende gebührend bejubelt. All die Männer um sie herum sind mehr oder weniger Staffage – das merkt man szenisch vor allem im dritten Akt. Aber auch hier gilt: Chapeau, was das Solisten-Ensemble da leistet. 
(MDR Kultur, von  Bettina Volksdorf

»Ganz im Zentrum dieser Inszenierung und der musikdramatischen Realisierung steht auf höchstem Niveau die großartige Sängerdarstellerin und Kammersängerin Iordanka Derilova. Sie beeindruckt in allen Lagen und Registern ihres hochdramatischen Soprans von feinstem und zartestem Gesang bis in die hochdramatischen Ausbrüche ihrer Partie. In jedem Moment hört man ihr mit größter Anteilnahme und Begeisterung zu. Frau Derilova macht deutlich wie Musiktheater mit dem Herzblut einer großen Sängerin und einer packenden charismatischen Schauspielerin zutiefst zu bewegen vermag.”
(klassiker-begeistert.de, von Guido Müller)

Die Dessauer Produktion versucht, die Sprödigkeit von Janaceks neben „Totenhaus“ melodisch kargster und abgehackter Oper mit visueller Opulenz auszugleichen. Schauplatz ist ein zerstörter Theatersaal, auf dessen weißer Bühne die junge Emilia Marty im zeitspezifisch schwarzen Kleid, eine andere Julia Capulet, das Elixier trinkt. Alles haben Jakob Peters-Messer, der Bühnenbildner Markus Meyer und der vor allem mit den Roben und Accessoires der Marty voll beschäftigte Sven Bindseil auf ihre überragende Hauptdarstellerin zugeschnitten, immer tänzelnd im freien Fall zwischen Revue-Operette und Requiem. Das bekommt den Konversationssequenzen recht gut, schafft allerdings keine Ausnahmesituation. Diese, unerlässlich für Janáčeks meisterhaft zerklüftete Partitur, schafft nur Iordanka Derilova! Denn sie hat zu viel künstlerische Intelligenz, um sich mit der sehr gut gemeinten Hommage an sich zu begnügen. Dieser ist sie also mit einer durch unterschiedlichste Partien von Agathe bis Brünnhilde immensen Erfahrung immer um eine Kronenzacke voraus. An Persönlichkeit, Ausstrahlung und Darstellung kann sich Iordanka Derilova als Emila Marty mit prominenten Kolleginnen wie Hildegard Behrens, Nadja Michael oder Evelyn Herlitzius problemlos messen, sängerisch bietet sie die mit Abstand glänzendste Leistung.
Warum? Jedes expressionistisch gemeinte Bellen und Skandieren ist ihr fremd. Die Bögen in der Schlussszene werden durchpulst von einer Wärme, welche die Stimme auch vorher nicht negiert, aber durch geschärfte Konsonanten abkühlt. Das Risiko des Hinübergleitens in eine exaltierte Hysterie-Studie war groß, weil Peters-Messer offenbar von Derilova forderte, in dieser Rolle möglichst viele weibliche Archetypen zwischen Backfisch und Kanaille mindestens einmal zu streifen. Aber genau das Gegenteil trat ein. Die von Prus an Emilia Marty mit Schaudern festgestellte Kälte macht Derilova ebenso glaubhaft wie die Verführungsgewalt, welche den jungen Prus die Besinnung verlieren lässt.
(nmz.de, von Roland H. Dippel)